TAG ODER NACHT 2

ich bin schon wieder auf dieser Wiese und sehe in der Ferne ein großes Haus, fast ein Schloss. Es ist alt und ein bisschen verwittert. Davor auf der Wiese sind sehr viele Leute. Es scheint eine Party zu sein. Es ist Sommer. Es ist warm draußen. Ich gehe über die Wiese, den Hügel hinunter in die Menge hinein und erkenne Freunde und Verwandte und Bekannte. Ich winke. Sie scheinen mich aber nicht zu sehen. Oder wollen sie mich nicht sehen? Ich spreche Leute an, während ich mich durch die Menge bewege. Rufe, winke, hüpfe. Alle blicken durch mich durch. Alle. Fremde, Freunde. In einer Gruppe junger Damen steht mein Freund. Er unterhält sich und lacht. Der muss mich aber bemerken. Ich gehe zu der Gruppe, spreche ihn an. Er reagiert nicht. Ich rufe und winke und springe. Er ignoriert mich. Ich fange an zu schreien. Ich weine und schreie. Aber kein hysterischer Ausbruch bringt mir die gewünschte Aufmerksamkeit. Ich laufe weg, durch die Menge, zum Haus. Ich laufe durch schmale Gänge. In den Zimmern sind überall Leute, die miteinander lachen und reden. Keiner sieht mich. Langsam gewöhne ich mich dran. Vielleicht bin ich aus Versehen unsichtbar geworden? Ich laufe weiter und komme langsam in unbevölkerte Gegenden des Hauses. Von Weitem klingt noch das Gelächter der Partygäste durch die Gänge. Ich biege um eine Ecke, gehe Treppen hoch, finde weitere schmale, lange Flure. Hier herrscht Zwielicht. Alles scheint grau und fahl zu sein. Wie in der Dämmerung. Der Bereich des Schlosses ist ganz vernachlässigt. Staub hängt in der Luft. Ich meine, Blicke im Rücken zu spüren. Meine Nackenhaare stellen sich auf. Vom Gang gehen viele Türen ab. Riesige, hohe schwere Eichenholztüren. Mein Blick fällt auf eine Tür, die halb offen steht. Ich muss da wohl hin. Auch wenn sich alles in mir sträubt. Ich habe schweißnasse Hände, ich spüre meinen Pulsschlag und mein Mund ist plötzlich ganz trocken. Der Drang, mich zu räuspern wird immer größer. Ich will aber nicht laut sein, kein Geräusch machen. Irgendwas ist da. Langsam nähere ich mich der halboffenen Tür. Ich trau mich nicht, sie noch weiter aufzureißen. Ich bin unbewaffnet. Hinter der Tür gähnt eine Schwärze, die ich nicht kenne. Das Ende des Raumes ist nicht sichtbar. Kühler Wind weht mir entgegen. Der Raum muss riesig sein. Vielleicht ist noch nicht mal ein Boden drin. Vielleicht ist es einfach ein Ausgang ins All. Vielleicht zieht es mich gleich rein oder raus und ich bin weg. Unsichtbar. Und weg. Ganz weg. Merkt eh keiner. Was war das?

Plötzlich ein Schatten im Scchwarz, falls das überhaupt möglich ist. Eine Ahnung von etwas, das vorbeiwitscht. Etwas sehr, sehr großes. Gefährliches. Ich will wegrennen aber ich kann nicht. Ich bin wie festgefroren. Ich muss weiter in das Schwarz starren. Anspannung. Atem angehalten. In mir steigt Panik hoch. Ich höre das Blut in meinen Ohren rauschen. Dann reiße ich mich los und tue das einzig Rettende: ich wache auf.


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